Altersvorsorgeprodukte 2018 im Test
Christin Gramkow
Artikel von
Veröffentlicht: 05.02.2018
Aktualisiert: 16.02.2018

Altersvorsorgeprodukte 2018 im Test – Was macht noch Sinn?

Altersvorsorgeprodukte 2018 im TestSPD und Union haben sich in den Koalitionsgesprächen auf ein Rentenpaket geeinigt. Die Parteien sehen in der neuen Rentenpolitik einen Meilenstein für Millionen von Menschen. Doch auch mit „Milliardenkosten“ sei zu rechnen, äußerte sich die SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles zu den Rentenkonzepten. Bei Riester-Rente, betrieblicher Altersvorsorge und Co. hat sich schon zum Jahreswechsel viel geändert. Doch bringen die Änderungen auch etwas?

Das System der Altersvorsorge steht in Deutschland auf dem Prüfstand. Wie sich die Situation entwickeln wird, können selbst Fachleute kaum sagen. Welche Produkte machen da aktuell überhaupt noch Sinn? (Lesen Sie dazu auch: Altersvorsorge im Test)

Riester-Rente

Grundzulage

Die Riester-Rente (Riester-Rente Test) wird seit Januar mehr vom Staat gefördert. Anstatt 154 Euro Grundzulage bekommen Riester-Sparer nun 175 Euro jährlich dazu gesteuert. Die Kinderzulagen bleiben dagegen gleich. Es gibt weiterhin für Kinder, die vor 2018 geboren sind 185 Euro jährlich und für alle Kinder, die nach dem Jahreswechsel geboren sind 300 Euro. Die Kinderzulage gibt es solange, wie Kindergeld bezogen wird.

Um die volle Zulage vom Staat zu erhalten, müssen Riester-Sparer mindestens vier Prozent ihres Vorjahreseinkommens eingezahlt haben, abzüglich der Grundzulage. Es wird jedoch nur ein Maximalbetrag von 2.100 Euro gefordert. Beträge, die darüber hinaus eingezahlt werden, bleiben ohne Förderung. Durch die höhere Förderung ergibt sich eine Senkung des Eigenbetrags, den Sparer einzahlen müssen, um die volle staatliche Zulage zu erhalten.

So gut sich die Erhöhung der Grundzulage auch liest, hat sie dennoch einen Haken: Das Plus wird bei Normal- bis Gutverdienern ohne Kinder fast komplett wieder mit dem Steuervorteil verrechnet.

Abfindung bei niedrigen Rentenansprüchen

Eine weitere Neuerung bildet die Abfindung bei niedrigen Rentenansprüchen. Riester-Anbieter können seit Januar mit einer Einmalzahlung zu Beginn der Auszahlungsphase den Rentenanspruch komplett abfinden. Beruht die Einmalzahlung auf staatlich geförderten Beiträgen, ist sie zu 100 Prozent steuerpflichtig. Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 wird diese Einmalzahlung jedoch ermäßigt besteuert.

Des Weiteren können Riester-Sparer jetzt wählen, ob sie ihre Abfindung der Kleinstbetragsrente am Anfang der Auszahlungsphase oder zum ersten Januar des folgenden Jahres erhalten. Durch diese Wahlmöglichkeit kann die Abfindung zum Beispiel erst im Jahr des ersten vollen Rentenbezugs gezahlt werden. Ab diesem Zeitpunkt haben Sparer in der Regel weniger Einkommen, weshalb die Einmalzahlung niedriger besteuert wird.

Freibetrag bei Grundsicherung

Neu ist auch der Freibetrag in Höhe von 100 Euro in der Grundsicherung bei Erwerbsminderung und im Alter. So werden Riester-Renten in Zukunft nicht mehr zu 100 Prozent bei der Berechnung der Grundsicherungsleistung herangezogen. Ist die monatliche Riester-Rente außerdem höher als 100 Euro, werden 30 Prozent des übersteigenden Betrags zusätzlich nicht angerechnet. So kann von einem Freibetrag von maximal 202 Euro profitiert werden.

Testsieger

Folgende Produkte haben beim aktuellen Test von Stiftung Warentest gute Bewertungen erhalten (Stand: Februar 2018, Quelle):

  • Riester Meister der HanseMerkur24
  • Riester Care der Hanse Merkur
  • Fiskal der Alten Leipziger
  • Riester Care der Hanse Merkur
  • Riester-Rente Plus der Hannoversche

Fazit

Durch die neuen Änderungen wird die Riester-Rente vor allem für Geringverdiener wieder attraktiver. Viele fürchteten,dass die Riester-Rente im Alter komplett auf die Grundsicherung angerechnet wird, was neuerdings nicht mehr der Fall ist. Normalverdiener mit mehr als einem Kind profitieren ebenfalls von den Änderungen, da erst dann die Summe der Zulagen ihren rechnerischen Steuervorteil übersteigt.

Rürup-Rente

Inhaber einer Rürup-Rente (Rürup-Rente Test) wird es freuen, dass sie ab diesem Jahr 2 Prozent zusätzlich steuerlich als Sonderausgaben absetzen können. Der prozentuale Anteil der absetzbaren Sonderausgaben ist von 84 Prozent auf 86 Prozent gestiegen steigt weiterhin jedes Jahr um 2 Prozent. Schlussfolgernd sind Beiträge für die Rürup bis 2025 zu 100 Prozent steuerlich absetzbar.

Weiterhin steigt der steuerliche Maximalbetrag von 23.362 Euro auf 23.712 Euro. Dieser ist an den Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung/West gekoppelt.

Testsieger

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität hat 15 Anbieter von Riester-Produkten verglichen und deren Leistungen zusammen mit der Ratingagentur Franke und Bornberg bewertet. Folgende Produkte erzielten ein sehr gutes
Testergebnis (Stand: Februar 2018, Quelle):

  • Alte Leipziger
  • AXA
  • HDI
  • Provinzial Nord-West
  • Württembergische

Fazit

Durch die großen steuerlichen Vorteile, die sich bis 2025 noch weiter verbessern, ist die Rürup-Rente besonders für Gutverdiener und Selbstständige auch weiterhin 2018 sehr attraktiv.

Kapitallebensversicherung

Die Niedrigzinsphase macht auch bei der Kapitallebensversicherung (Kapitallebensversicherung Test) keine Ausnahme. Im Schnitt zahlen die großen Anbieter nur noch 2,4 Prozent. Im Gegensatz dazu waren es 2014 noch 3,4 Prozent durchschnittlich. Dazu kommen stets hohe Provisionen sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten, die die Rendite zusätzlich schmälern.

Testsieger

In Zusammenarbeit mit der Analysegesellschaft für Anlage- und Versicherungsprodukte hat das Magazin €uro 2017 Lebensversicherer auf ihre Zukunftsfähigkeit getestet. Sehr gut abgeschnitten haben (Stand: Februar 2018, Quelle):

  • Allianz
  • Debeka
  • Europa
  • Hannoversche
  • Targo

Fazit

Die Kapitallebensversicherung verliert aufgrund von niedrigen Zinssatz und generell sinkenden Renditen immer mehr an Bedeutung, wenn es um die Altersvorsorge geht. Zudem wird der angesparte Betrag in den meisten Fällen auf einmal ausgezahlt. Ein Wahlrecht auf eine monatliche Auszahlung besteht nicht.

Um für das Alter vorzusorgen, sind andere Sparmodelle um ein Vielfaches attraktiver, besonders, wenn jetzt erst mit der Altersvorsorge gestartet wird.

Fondsgebundene Rentenversicherung

Für die private fondsgebundene Lebensversicherung (Fondsgebundene Lebensversicherung Test)wurde eine Teilfreistellung von 15 Prozent auf den Unterschiedsbetrag zwischen der Versicherungsleistung und den entrichteten Beiträgen beschlossen. Diese sogenannte Teilfreistellung gilt auch für fondsgebundene Rentenversicherungen (Fondsgebundene Rentenversicherung Test), wenn die Rente nicht lebenslang gezahlt wird. Im Falle einer lebenslangen Rentenzahlung unterliegt weiterhin nur der Ertragsanteil der Besteuerung.

Testsieger

Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat ebenfalls Produkte zur fondsgebundenen Rentenversicherung verglichen. Folgende Anbieter konnten unter anderem ein sehr gutes Ergebnis erzielen (Stand: Februar 2018, Quelle):

  • Alte Leipziger
  • AXA
  • Barmenia
  • Condor
  • DBV
  • Gothaer
  • HanseMerkur
  • HDI
  • InterRisk
  • Signal Iduna
  • Württembergische

Fazit

Die fondsgebundene Rentenversicherung wird auf die jeweiligen Bedürfnisse des Versicherungsnehmers zugeschnitten. So lassen sich einerseits hohe Renditen erzielen, jedoch auch immer mit dem Risiko von hohen Verlusten. Im Umkehrschluss stellt diese Art der Versicherung auch eine risikoarme Art des Sparens dar, wenn auf eine hohe Rendite verzichtet wird. Hier gilt: Je sicherer die Anlage, desto niedriger die Rendite.

Die individuelle Zusammensetzung der Kapitalwerte, ganz nach Wunsch des Kunden, macht die fondsgebundene Rentenversicherung besonders attraktiv, wenn der Sparer risikoarm sparen möchte.

Betriebliche Altersvorsorge

Zum Jahreswechsel wurde die betriebliche Altersvorsorge (Betriebliche Altersvorsorge Test) durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz reformiert. Im Zuge dessen wurde der steuerfreie Höchstbetrag angehoben. Arbeitnehmer können nun 8 Prozent anstatt lediglich 4 Prozent ihres Gehalts ohne Abzug von Steuern in die Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Direktversicherung oder per Direktzusage einzahlen. Weitere 1800 Euro können unter bestimmten Bedingungen ebenfalls gespart werden.

Sozialpartnermodell

Zu den fünf Modellen der betrieblichen Altersvorsorge kommt außerdem ein fünftes hinzu: das “Sozialpartnermodell”. Mit diesem Modell sollen Arbeitgeber entlastet werden. Es wird die Höhe der Beiträge, die der Arbeitgeber zahlt, festgelegt. Er muss jedoch nicht mehr für die zugesagte Summe haften. Vielen Arbeitgebern war die betriebliche Altersvorsorge bis jetzt zu riskant, da den Arbeitnehmern eine Mindestrente garantiert werden musste. Weiterhin wird auch die betriebliche Altersvorsorge nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet.

Staatliche Förderung

Weiterhin werden Arbeitgeber staatlich gefördert, wenn sie Geringverdienern mit einem Einkommen bis 2.200 Euro eine Betriebsrente zahlen. Der Staat erstattet dem Unternehmen bis zu 144 Euro, wenn die gezahlte Betriebsrente jährlich bis zu 480 Euro beträgt. Dem Sozialverband VdK Deutschland zufolge soll die Betriebsrente somit wieder attraktiver werden, um Geringverdiener besser vor Altersarmut zu schützen.

Testsieger

In einem aktuellen Rating des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung konnten neun Anbieter einer betrieblichen Altersvorsorge mit “exzellent” bewertet werden (Stand: Februar 2018, Quelle):

  • Allianz
  • Alte Leipziger
  • AXA
  • Bayern-Versicherung
  • Generali
  • HDI
  • Nürnberger
  • Stuttgarter
  • Swiss Life

Fazit

Die betriebliche Altersvorsorge sollte auf jeden Fall in Anspruch genommen werden. Der Sparer kann selbst entscheiden, wieviel er monatlich zusätzlich sparen möchte. Je nach Betrag fallen die Zuschüsse sehr hoch aus. Zudem verringert sich der zu versteuernde Anteil und die Sozialabgaben des Einkommens.

Gesetzliche Rentenversicherung

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung ist im Januar von 18,7 Prozent 18,6 Prozent gesunken. So werden Arbeitnehmer um insgesamt 600 Millionen Euro jährlich entlastet. Steigendes Gehalt und sinkende Arbeitslosenzahl machen die Senkung der Beiträge möglich.

Gutverdiener ärgern sich indes über eine Erhöhung der Beritragsbemessungsgrenze von 5.700 Euro auf 5.800 Euro in den neuen Bundesländern und von 6.350 Euro auf 6.500 Euro in den alten Bundesländern. Mit der Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sind auch die monatlichen Beiträge gestiegen.

Gesamtfazit

Ganz allgemein sollte sich jeder Gedanken über eine private Altersvorsorge machen, zusätzlich zu der gesetzlichen, da diese im Alter nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten. Die Auswahl der Altersvorsorgeprodukte 2018 sowie deren Anbieter ist immens, sodass Sparer garantiert ein passendes, individuelles Sparmodell für sich finden.

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