riester-rente-zulagen-test
Mario Müller
Artikel von
Veröffentlicht: 29.08.2014
Aktualisiert: 24.07.2015

Riester Rente – Renditen und Zulagen im Test 2014

Das Thema, welches hierzulande immer weiter an Bedeutung gewinnt und mit größter Sorgsamkeit behandelt wird, ist die eigene Altersvorsorge. Längst haben wir uns von dem Gedanken verabschiedet, dass allein der gesetzliche Rentenanspruch ausreichen wird um den Lebensabend zu bestreiten, und setzen uns deswegen intensiver mit den Alternativen der privaten Altersvorsorge auseinander. Beim Betrachten der unterschiedlichen Möglichkeiten fällt uns schnell auf, dass wir mit einigen Anlageoptionen nicht den versprochenen Erfolg erzielen können. Die gegenwärtige Niedrigzinspolitik hat das Banken- und Anlagengeschäft maßgeblich beeinflusst, sodass die angebotenen Renditengarantien ihr Zinstief erreicht haben und uns Verbraucher einmal mehr in die missliche Situation versetzen, nicht zu wissen mit welcher Anlagevariante wir noch eine angemessene Zusatzrente aufbauen können. Ziehen wir den Anlagenberater zu Rate, vernehmen wir verstärkt den Tipp in risikobewusste Anlagen wie Fonds zu investieren. Doch was kann man tun wenn die Risikoanlage entgegen unserer Prinzipien geht und wir das Ansparen mit sicheren Anlagen realisieren wollen? Eine Option, die keiner konjunkturellen Zinsentwicklung unterworfen ist, stellt die Altersvorsorge durch die Riester Rente dar. Allerdings kommt mit dieser Vorsorgealternative häufig die Frage auf, ob man sie trotz aller verübter Kritik als Anlagemöglichkeit wirklich in Erwägung ziehen sollte?

Riester Rente – Finanztest hat getestet

Aufgrund der vorherrschenden Uneinigkeit über die Eignung der Riester Rente (Riester Rente Test) hat Finanztest verschiedene Konstellationen für die einzelnen Altersvorsorgemethoden aufgestellt. Dabei wurden die verschiedenen Renditen auf Basis folgender Annahmen errechnet:

  • sofortige Barzulagenberechtigung und Vertragslaufzeit bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren
  • beitragspflichtige Vorjahreseinkommen bleibt gleich, somit sind sie zur Zahlung des Eigenbeitrages verpflichtet und erhalten die jährliche Gutschrift ihrer Zulage Mitte Mai des Folgejahres
  • das Vertragskapital bildet die Berechnungsgrundlage für die Rendite, diese errechnet sich aus der Verzinsung der Eigenleistungen und der Verzinsung der Eigenleistungen samt der staatlichen Zulagen
  • Anspruch auf die Kinderzulage haben nur diejenigen, die bei der Erstgeburt 27 Jahre alt waren und beim zweiten Kind 29 Jahre. Diese Zulagen werden bis zum 25. Lebensjahr des Kindes ausgezahlt.

Ferner wurden die verschiedenen Anlageoptionen nach der Grundfrage „Sie wollen in ein Wohneigentum investieren?“ unter die Lupe genommen.

Wird diese Frage mit einem „Ja“ beantwortet, hat der Verbraucher zwei Möglichkeiten, wie er weiter vorgehen kann. Zum einen kann er sich dafür entscheiden seinen Traum vom Eigenheim sofort mit dem Bau oder Kauf der passenden Immobilie zu realisieren. Charakterisiert sich der Verbraucher durch eine weniger starke Entscheidungsfreude, steht es ihm natürlich frei diese Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt zu treffen.

Wohnriester – 2 Möglichkeiten

Entschließt man sich dazu die Verwirklichung des Haustraums mit sofortiger Wirkung in Angriff zu nehmen, stehen dem Verbraucher zwei Anlagen zur Verfügung:

  • Riester-Darlehen
  • Kombi-Kredit

Diese beiden Kombinationen werden unter dem Oberbegriff „Wohnriester“ (Wohn Riester Test) zusammengefasst. Im Gegensatz zu der Riester Rente geht es bei Wohnriester um die Investition in eine Immobilie. Diese Art des Riester-Vertrages eignet sich insbesondere für diejenigen, die beabsichtigen sich in naher Zukunft den Haustraum zu erfüllen. Wird das Ansparen mit einem Riester-Darlehen betrieben, werden gleichbleibende Annuitätszahlungen getätigt, die die Restschuld des noch verbleibenden Darlehens schmälern. Dabei kann die Tilgung bis zu einem Höchstbetrag von 2.100,00 € aus den vorsorglichen Beiträgen gezahlt werden. Somit finden die erwirtschafteten Zulagen Anwendung in der Sondertilgung des Darlehens. Andererseits kann sich ein Verbraucher für eine steuermindernde Belastung entscheiden, die eine deutlich kürze Darlehenslaufzeit verspricht. Jedoch müssen Steuern auf die angesparte Summe des Wohnförderkontos entrichtet werden.

Neben den Riester-Darlehen kann man auch für die Variante der Kombikredite optieren. Diese charakterisieren sich dadurch, dass man ein Vorausdarlehen aufnimmt, dass man nicht in gleichbleibenden Raten zurückzahlt, sondern in einer Summe durch den Bausparvertrag.

Aufgrund ihrer Riester-Förderung scheint Wohnriester gerade zu perfekt für all diejenigen zu sein, die jetzt sofort mit der Verwirklichung ihres Haustraumes beginnen wollen. Jedoch hat sie auch ihre Nachteile. Es gibt nur wenige Banken, die diese Angebote in ihrem Produktportfolio aufnehmen. Ist man auf der Suche nach einem günstigen Kombikredit wird man schnell merken, dass es nur Angebote gibt, die lediglich 70 bis 80 % des Immobilienwerts zum Vertragsgegenstand machen.

Gehört der Interessent zu der Personengruppe, die sich noch nicht so schnell für die Zulegung eines Eigenheims aussprechen wollen, steht ihm die Ansparmöglichkeit durch einen Riester-Bausparvertrag zur Verfügung. Dabei werden die Vertragsbedingungen für das spätere Darlehen bereits heute festgelegt, sodass sich Interessenten Kreditzinsen von 1,5 % bis 3,5 % zusichern können.

Entwicklung_der_Riester_Vertrage_bis_2014

Zur Grafik: Zahlen in tsd.

Anlagemöglichkeiten gemäß Anlagetyp

Wird die Frage nach der Investitionstätigkeit mit einer verneinenden Aussage beantwortet, lassen sich verschiedene Anlagetypen differenzieren:

Unentschiedene: unentschlossene Interessenten neigen eher dazu sich für Anlagemöglichkeiten zu entscheiden, die flexibel, sicher und günstig sind und ihnen die Option bieten zwischen verschiedenen Riester Varianten switchen zu können.

Riester-Banksparplan

Im Zuge dessen eignet sich für entscheidungsimmune Anleger das Ansparen mithilfe des Riester-Banksparplans. Diese Art der Anlage wird als die gängigste Form des Ansparens gesehen. Dabei zeichnet sie sich durch eine hohe Sicherheit aus, sodass eingezahlte Beträge bis zu einem Wert von 100.000,00 € auch bei vorliegender Bankinsolvenz geschützt sind. Mit dieser Anlage unterliegen die Renditen keinerlei Kursrisiken und der Zinssatz bleibt konstant. Somit weiß man schon im Vorfeld welche Rendite erreicht werden kann. Auf wenn diese Anlageform mit einer hohen Sicherheit versehen ist, sehen die Renditeerwartungen eher dürftig aus, sodass man sich nicht zu viel erhoffen darf. Denn die Rendite spiegelt die gezahlten Zinsen wider, die nach gegenwärtiger Niedrigzinspolitik eher bescheiden ausfallen. Geht es um die Auswahl eines Angebots sollte man diese genauestens unter die Lupe nehmen, da zwischen dem besten und schlechtesten Angebot Unterschiede von 1,5 % bestehen, die eine Differenz von 15.000,00 € ausmachen können.

Bequeme: geht man die eigene Altersvorsorge mit einem gewissen Grad an Bequemlichkeit an, erhoffen wir uns meist die Anlageoptionen, die sicher sind und deren Berechnung auch nachvollziehbar ist. Dadurch optiert man vermehrt für Anlagen, die keiner Flexibilität unterliegen. Diese Anlagestrategie reflektiert insbesondere das Verhalten der 30- und 50- jährigen Interessenten, die über ein gesichertes Einkommen verfügen.

Riester Rentenversicherung

Beabsichtigen Interessenten eine Anlageform zu wählen, der sie nicht so viel Aufmerksamkeit schenken müssen, entscheiden sich die meisten für die Riester Rente. Dabei handelt es sich um einen Versicherungsvertrag, der den Versicherungsnehmer durch staatliche Zulagen begünstigt. Dieser Vertrag lohnt sich für alle Versicherungsnehmer, die so viel investieren können, dass sie am Ende des Tages die staatlichen Zulagen, bestehend aus Grund- und Kinderzulage, erhalten. Dabei hat jeder Versicherungsnehmer Anspruch auf die vollständige Staatszulage, wenn er 4 % seines Bruttogehaltes aus dem Vorjahr vermindert um die Zulagen für den Riester Vertrag bereithält. Der Vorteil an der Riester Rente liegt darin, dass sie eine Rendite von 1,75 % auf das ansparende Vermögen garantiert. Zudem weiß der Versicherungsnehmer von vorneherein welchen Rentenbetrag er aus dieser Anlagestrategie erhält. Als weniger erfreulich zu betrachten sind dabei die hohen Abschlusskosten, die in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit fällig sind. Des Weiteren lassen sie je nach Anbieter in Bezug auf Garantien und Anlageerfolg beträchtliche Unterschiede feststellen. Verschiedene Rentenversicherungen im Test.

Renditejäger: sofern die eigene Vorsorge mit einer gewissen Risikobereitschaft betrieben wird, verfolgen die Interessenten hohe Renditechancen. Diese Anlageform eignet sich auch nur, wenn die Altersvorsorge keiner Sicherheitsgarantie unterliegt und bis zu einem Alter von Mitte 40.

Riester-Fondssparpläne

Geht man die Altersvorsorge mit einer definierten Risikobereitschaft an, die das Ziel verfolgt möglichst hohe Renditen erwirtschaften zu wollen, kann die Anlage in Riester-Fondssparpläne sehr sinnvoll sein. Diese kennzeichnet sich durch einen Sparvertrag, der Einzahlungen in einen Investmentfonds voraussetzt. Aufgrund ihrer hohen Risikobereitschaft sollte sie auch nur von denen abgeschlossen werden, die das Risiko und den damit verbundenen Verlust nicht fürchten. Denn gerade im Fondsgeschäft kann es dazukommen, dass am Ende der Laufzeit lediglich die Kapitalgarantie als Ertrag zu verzeichnen ist. Anders als bei sparbewussten Anlagen fließt das eingezahlte Geld in Aktien- und Rentenfonds, die den Anleger bei positivem Ausgang mit Zinsen und Dividenden am Gewinn teilhaben lassen. Dabei werden die Einzahlungen bis zum 85. Lebensjahr im Fondssparplan finanziert, die anschließend in eine lebenslange Rente einer Lebensversicherung umgewandelt werden. Warum des Öfteren immer mehr zu fondsgebundenen Sparplänen als Anlageform gegriffen wird liegt an den hohen Renditeaussichten, die mit der Anlagealternative realisiert werden können. Nichtsdestotrotz sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass genauso schnell Verluste wie Gewinne verzeichnet werden können.

Engagierte: diese kennzeichnen sich dadurch, dass sie Einfluss auf die Fondsauswahl nehmen wollen, sie auch keinen Wert darauf legen wie viel Rendite bei der Anlage herausspringt und ein Alter von Mitte 40 aufweisen.

Fondsgebundene Riester Rentenversicherung

Sofern es Anleger lediglich darauf abgesehen haben schnell Gewinne zu realisieren, kann die Anlageform der fondsgebundenen Riester- Rentenversicherung sehr interessant sein. Diese differenziert sich von anderen Anlageformen in der Hinsicht, dass ihre Prämie nicht zur Deckelung des Versicherungsrisikos aufgewendet wird, sondern zur Anlage in Aktien und Investmentanteilen eingesetzt wird. Dabei hat der Anleger bezüglich Fonds und Laufzeit uneingeschränkte Freiheit und kann nach Belieben entscheiden wie das Vermögen weiter angelegt wird. Genauso wie bei dem Fondssparplan besteht hier ebenfalls das Risiko am Ende der Laufzeit nur in den Besitz der Kapitalgarantie zu gelangen. Besonders attraktiv erscheint diese Riester Anlage durch ihre hohen Renditechancen. Je höher der Aktienfondsanteil ausfällt, desto höhere Renditen können realisiert werden. Was sich eher zum Nachteil für den Versicherungsnehmer auswirken kann ist die Tatsache, dass in den ersten Versicherungsjahren Abschlusskosten anfallen, die die Rendite merklich verringern. Fondsgebundene Rentenversicherungen im Test.

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Die Vorzüge der Riester

Neben den unterschiedlichen Anlagemethoden hat Finanztest auch die unterschiedlichen Vorteile der Riester durchleuchtet, die im Nachfolgenden erläutert werden:

Zulagensicherheit in Zeiten der Niedrigzinsen

Plant man die Altersvorsorge mit Riester in Angriff zu nehmen profitiert jeder Anleger von der jährlichen Grundzulage von 154,00 € samt einer Kinderzulage. Sofern das Kind vor dem Jahre 2008 zur Welt kam, erhält der Sparer eine Zulage von 185,00 €. Wird eine Geburt ab 2008 registriert, werden diese mit einer Zulage von 300,00 € begünstigt. Im Gegensatz zu den Zinsen unterliegen die Zulagen keiner konjunkturellen Schwankungen und können je nach Einkommen und Familiensituation einen Zuwachs von 0,4 bis 8,5 % bedeuten. Diese werden zusätzlich zu der Rendite ausgezahlt. Dadurch, dass die Zulagen vom Staat garantiert werden, können sich die Sparer stets darauf verlassen, dass sie ihnen ausgezahlt werden.

Vorteil durch Kinderzuwachs

Verfügen Eltern über ein niedriges Einkommen können sie sich an einer höheren Zulagenrendite erfreuen. Handelt es sich bei der zu versichernden Familie um einen Sparer mit zwei kleinen Kindern und einem versicherungspflichtigen Einkommen von jährlich 20.000,00 €, der eine Riester Rente mit einer Laufzeit von 30 Jahren abschließen will erhält dieser eine Rendite von 8,5 %. Erwirtschaftet der Sparer bei gleicher familiärer Situation ein Einkommen von 52.500,00 € schmälert sich seine Rendite auf 1,7 %. Diese Besonderheit liegt daran, dass ein höheres Einkommen gleichzeitig höhere Einzahlungen erfordert.

Förderung durch den Staat

Optiert man für den Abschluss eines Riester-Vertrages müssen grundsätzlich 4 % des versicherungspflichtigen Einkommens für die Altersvorsorge bereitgehalten werden, die einen jährlichen Aufwand von 60,00 € ausmachen. Damit lässt sich eine komplette Auszahlung der Zulagen gewährleisten. In den 4 % sind aber nicht nur die Eigenbeteiligungen enthalten sondern auch die Zulagen. Handelt es sich bei den Versicherungsnehmern um Kinderlose müssen sie höhere Eigenleistungen erbringen. Schließt der Versicherungsnehmer einen Vertrag mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Einkommen von 20.000,00 € erhält er eine Zulagenrendite von 3,5 %. Verdient er hingegen 52.500,00 € und erweitert die Laufzeit auf 40 Jahre wird ihm lediglich eine Zulagenrendite von 0,4 % garantiert. Auch wenn Kinderlose bei der Zulagenrendite nicht bevorzugt behandelt werden, profitieren sie von den Steuervorteilen, da diese als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden können

Steuerförderung für Besserverdiener

Insbesondere besserverdienende Arbeitnehmer profitieren von der Riesteranlage, während sich Geringverdiener und Eltern von den Zulagen einen Vorteil verschaffen. Allerdings birgt diese Form der Altersvorsorge für Geringverdiener einige Hindernisse. Droht ihnen trotz Riesterrente die Altersarmut und sie sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, wird grundsätzlich nichts von der Riesterrente übrig bleiben, da diese mit der staatlichen Hilfe verrechnet werden. Denn anders als die Einzahlung sind die Auszahlungen zu versteuern.

Fazit

Das Modell der Riester Rente eignet sich vor allem für familienorientierte Menschen. Denn je mehr Kinder sich in einem Haushalt befinden, desto stärker profitiert man von den Kinderzulagen. Aber auch Besserverdiener ohne jegliche Nachwuchsambitionen werden im gleichen Maße bevorzugt, da sie steuerliche Vorteile durch den Sonderausgabenabzug realisieren können. Eine gute Riester-Förderung lässt sich nur bewerkstelligen, wenn die passende Anlageform ausgewählt und ein guter Vertrag mit möglichst langer Laufzeit gefunden worden ist. Dahingehend ist es sinnvoll sich Gedanken um den eigenen Versicherungsbedarf zu machen und sich verschiedene Anlageprodukte anzuschauen. Damit unter der Vielzahl an Produkten und Angeboten das Passende ausgewählt werden kann, ist die Nutzung eines Vergleichsrechners ganz hilfreich, der nach wenigen persönlichen Eingaben, die Angebote herausfiltert, die mit dem Versicherungsprofil übereinstimmen.

Quellen und weitere Informationen