altersvorsorge test
Mario Müller
Artikel von
Veröffentlicht: 17.06.2014
Aktualisiert: 17.06.2014

Altersvorsorge im Test des IVFP

Hierzulande wird kaum ein anderes Thema so weitläufig diskutiert wie das kürzlich abgesegnete Rentenpaket. Demnach sind alle Jahrgänge von 1951 bis 1963, die 45 Jahre einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sind, berechtigt mit Erreichen des 63. Lebensjahres Rentenansprüche geltend zu machen. Darüber hinaus werden alle Mütter, die vor 1992 Kinder zur Welt brachten, mit dem Anspruch einer zusätzlichen Rentenleistung, die sogenannte „Mütterrente“ begünstigt. Mit Inkrafttreten des Rentenpakets erleben bereits pensionierte Arbeitnehmer eine Erhöhung der Rentenleistung, die 2,53 % im Osten und 1,67 % im Westen Deutschlands ausmachen. Mag das Rentenpaket sich noch so verlockend anhören, sehen eigene diesem mit Skepsis entgegen. Denn das vorzeitige in Rente gehen mit 63 Jahren, bedeutet, dass weniger Jahre für die Kumulierung von zahlenden Rentenbeiträgen zur Verfügung stehen und den Pensionär letztlich in die Situation versetzen der Altersarmut zum Opfer zu fallen. Da ist es nahezu verständlich, dass in allen Sparten damit geworben wird vorsorgliche Maßnahmen, mit dem Abschluss einer angemessenen Option der Altersvorsorge, zu treffen. Doch welche Art der Altersvorsorge ist im Einzelfall wirklich zu empfehlen?

Wie lässt sich die Rente erhöhen?

altersvorsorge test 2014Hat man bei der Berechnung des tatsächlichen Rentenanspruchs gemerkt, dass dieser zum Leben des gewünschten Standards nicht ausreicht ist Handlungsbedarf gefragt, der so schnell wie möglich umsetzbar sein sollte, um die gewünschte Rente realisieren zu können. Hierzu sind verschiedene Alternativen möglich:

Immobilien: häufig entschließen sich Menschen dazu mit dem Erwerb einer Immobilie Kapitalaufbau zu betreiben. Denn je nach Immobilienart und Größe des Objekts lassen sich beträchtliche Mieterträge erwirtschaften. Jedoch sind die erreichten Erträge oftmals nicht die Renditen, die wir am Ende als Plus auf unserem Konto verzeichnen, da noch laufende Kosten abgezogen werden. Somit fallen neben den Haushaltsaufwendungen auch finanzielle Kosten wie Darlehensraten oder die Schaffung von eisernen Reserven an. Somit kann die daraus resultierende Differenz in eine Festgeldanlage investiert werden, um durch Anwendung des Zinseszinseffektes weitaus mehr von der Einnahmequelle zu profitieren.

Vorsorgemaßnahmen: die derzeitige Niedrigzinspolitik lässt es nicht vermeiden, dass Uneinigkeit über die Funktion der verschiedenen Kapitalanlageoptionen herrscht. Jedoch sei jeder Anleger davor gewarnt mit renditehohen Kapitalanlagen seine Altersvorsorge aufzupolieren, denn aufgrund ihrer Volatilität am Markt führen diese nur kurz bis mittelfristig zum Erfolg. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger auch nur die Anlageoptionen wählen, dessen Risiko sie langfristig bereit sind zu tragen.

Beteiligung des Staates: durch die niedrigen Zinsen, die der Staat bereithält, minimiert sich der Anreiz des Sparens. Demnach lanciert der Staat das Ansparen, indem er sich an der Altersvorsorge eines jeden Einzelnen, durch staatlich geförderte Möglichkeiten wie die Riesterrente, aktiv beteiligt.

Doppelte Förderung: wurden im Vorfeld vorsorgliche Sparmaßnahmen getroffen, kann der Anleger diese durch den Abschluss einer Riesterrente, Betriebsrente oder Rürup Rente vermehren, die sich wie folgt niederlegen:

Riesterrente: dabei handelt es sich um eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die sich aus einer Grundzulage und Kinderzulage zusammensetzt. Demnach erhält der Ansparer eine Grundzulage von maximal 154,00 € pro Jahr samt Kinderzulage in Höhe von 185,00 € sofern das Kind vor 2008 geboren ist. Tritt der umgekehrte Fall ein erhalten Sparer sogar 300,00 € pro Jahr und Kind.

Betriebsrente: sofern der Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge in Aussicht stellt, haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, einen Teil zur Entgeltumwandlung in die betriebliche Altersvorsorge zu investieren. Geläufige Modelle der Entgeltumwandlung sind beispielsweise vermögenswirksame Leistungen oder das 13. Monatsgehalt.

Rürup Rente: diese Form der Rente ist ebenfalls ein staatliche geförderte Vorsorgemaßnahme, die speziell für all diejenigen konzipiert ist, die nicht in das Raster der Riesterrente fallen, mit anderen Worten für Selbständige und gut verdienende Angestellte.

Altersvorsorge Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat getestet

Damit Klarheit ins Dunkel der Altersvorsorge gebracht wird, hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung im Auftrag von Focus Money die verschiedenen Altersvorsorgemöglichkeiten, anhand von vier Beispielsituationen unter die Lupe genommen (mehr zum allgemeinen Altersvorsorge Test hier).

Fall 1: Berufseinsteiger, ledig ohne Kinder

altersvorsorge testsiegerBei dem Berufseinsteiger geht man davon aus, dass dieser einen jährlichen Jahresverdienst von 39.000,00 € brutto erwirtschaftet, von dem er monatlich 2.003,00 € erhält. Ferner hat er noch kein Kapital aufgebaut, sondern Anlagen in Höhe von 30,00 € in einen Sparplan getätigt. Zudem geht man davon aus, dass er mit 67 Jahren in Rente geht und eine monatliche gesetzliche Rente von 2.076,04 € mit 140,81 € Einnahmen aus Fonsparplänen erhält. Mit der durchschnittlichen Inflationsrate geht man bis zum Jahre 2054 davon aus, dass eine Rente von 2.906,94 € nötig ist um sich den heute noch existierenden Lebensstandard leisten zu können. Nach Abzug aller Sozialabgaben bleibt dem Berufseinsteiger eine monatliche Rente von 1.858,55 €, die ein Minus von 1.048,39 € ausmachen.

In diesem Fall empfiehlt das Institut für Vorsorge und Finanzplanung, die Altersvorsorge in dreierlei Hinsicht zu betreiben:

  • Betriebsrente: werden in der Summe, Arbeitgeberanteil inklusive, 100,00 € in die betriebliche Altersvorsorge investiert, gehen effektiv 39,37 € in die Rente ein, sodass eine monatliche Nettorente von 248,19 € erzielt wird.
  • Riesterrente: beim Ansparen mit monatlich 130,00 €, bleiben dem Anleger 84,78 € netto übrig, die eine monatliche Nettorente von 497,75 € ausmachen. – Riester Rente im Test
  • Aktienfonds: die Investition in Aktienfonds mit monatlich 50,00 € bleibt von jeglichen Abzügen verschont, sodass eine Rente von monatlich 215,73 € erwirtschaftet werden kann.

Wie der Vergleich zeigt, lassen sich im vorliegenden Fall vor allem mit der Riesterrente und Betriebsrente hohe Erträge erzielen, die durch den Einsatz des Zinseszinseffektes erklärt werden können.

Fall 2: Arbeitnehmer, verheiratet, zwei Kinder

altersvorsorge test familieIm Falle der jungen Familie hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung angenommen, dass der Arbeitnehmer ein Jahres brutto von 63.000,00 € erwirtschaftet, wovon ihm 3.657,00 € monatlich als Nettoentgelt zur Verfügung stehen. Dabei erfüllt er sich den Traum vom Eigenheim, indem 700,00 als Annuität pro Monat an die zuständige Bausparkasse abgeführt werden. Bei Erreichen des 67. Lebensjahres wird dem Arbeitnehmer eine gesetzliche Rente von 2.970,21 € und eine Betriebsrente von 319,02 €, die er mit 110,00 € pro Monat bespart, in Aussicht gestellt. Bei der inflationären Entwicklung von 1,5 % benötigt der Arbeitnehmer im Jahre 2041 eine Rente in Höhe von 3.826,87 €. Jedoch bleibt ihm nach Abzug sämtlicher Abgaben eine Rente von 2.762,22 € übrig, die ein Minus von 1.064,65 € bedeuten.

Da der Arbeitnehmer bereits eine Betriebsrente von 319,02 € erwarten kann, bleiben ihm lediglich zwei Optionen, die er zur Altersvorsorge wählen kann:

  • Riesterrente: gerade bei bestehenden Familienverhältnissen lohnt es sich wenn beide Eheleute Riesterrenten abschließen, damit die eigene Altersvorsorge gepusht werden kann. Bei einer Investition von monatlich 224,00 € bleiben den Ehepartner netto 156,00 € übrig, die eine Rente von netto 358,98 € bedeuten.
  • Betriebsrente: Ferner sei dem Arbeitnehmer zu empfehlen seine monatlichen Beiträge von 110,00 € auf 140,00 € zu erhöhen, um noch mehr von der Entgeltumwandlung zu profitieren.
  • Aktienfonds: auch die Anlage in Aktienfonds mit 100,00 € kann sinnvoll sein auch, um die Versorgungslücke zu schließen.

Private Altersvorsorge im TV

Fall 3: Selbständige, ledig, ein Kind

Bei der Selbständigen wurde die Annahme zugrunde gelegt, dass sie ein Jahresgehalt von brutto 46.000,00 € verdient, von dem 2.080,00 € ihr monatliches Gehalt ist. Dahingehend tätigt sie keine kapitalaufbauenden Maßnahmen. Sobald sie das 67. Lebensjahr erreicht, kann sie sich auf eine gesetzliche Rente von 2.000,00 € einstellen, die mit Erträgen aus Fondssparplänen von 208,74 € aufgestockt werden. Aufgrund der Inflation ist sie im Jahre 2036 auf einen Rentenanspruch von 2.309,03 € angewiesen. Werden danach alle Sozialabgaben abgezogen, bleibt ihre eine Rente von 1.370,33 €, 938,70 weniger als es der Anspruch vorgibt.

Als Selbständige Person bleiben ihr nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Rürup Rente: um eine angemessene Altersvorsorge zu betreiben sollte auf eine staatlich geförderte Rente zurückgegriffen werden. Werden 500,00 € bespart gehen 375,00 € als monatliche Nettorente hervor, die hochgerechnet bei Eintreten des Rentenalters eine Rente von 649,39 € festlegen. – Rürup Rente im Test
  • Aktienfonds: daneben sollten 180,00 € in Aktienfonds investiert werden, damit die Versorgungslücke gänzlich geschlossen werden kann.

Fall 4: Das ältere Ehepaar

altersvorsorge test älteres paarBei der Schließung der Versorgungslücken eines älteren Ehepaar vermutete man ein jährliches Bruttoeinkommen von 95.000,00 €, von dem monatlich 4.739,00 € auf das Konto des Ehepaars fließt. Zudem besitzen sie eine abbezahlte Eigentumswohnung und ein Tagesgeldkonto mit einem Gesamtwert von 69.200,00 €. Ferner betreiben sie Altersvorsorge mit einer Betriebsrente, mit einem monatlichen Beitrag von 150,00 € und einem Fondssparplan mit 60,00 € Beitrag. Bei Eintritt des Rentenalters mit 65 Jahren haben sie Anspruch auf eine gesetzliche Rente von 3.460,82 €, die durch eine Betriebsrente von 105,67 € und Fondssparerträgen von 82,87 € erhöht wird. Unter Berücksichtigung der inflationären Entwicklung haben sie einen Rentenbedarf von 3.573,56 €. Erfolgt der Abzug aller Abgaben müssen sie mit einer gesetzlichen Rente von 3.090,52 € auskommen, was ein Minus von 483,04 € darstellt.

Da es sich um ein betagtes Pärchen handelt, welches Kapitalaufbau im großen Stile betrieben hat, gibt es nur eine Option, die sie zur Altersvorsorge in Erwägung ziehen können:

  • Basisrente: hierbei können sie das existente Tagesgeld in eine Basisrente investieren. Geht man von einem Kapital von 1.837,08 € aus, bedeutet dies für den Arbeitnehmer eine gesetzliche Rente von monatlich 373,89 €.

Um den Restbetrag der Versorgungslücke auszugleichen haben sie die Möglichkeit in andere Kapitalaufbaumaßnahmen zu investieren.

Fazit

Sobald das Thema Altersvorsorge ansteht ist es wichtig sich über die verschiedenen Anlagemöglichkeiten zu informieren. Um eine perfekte Altersvorsorge gewährleisten zu können ist es sinnvoll, sich dabei auf mehrere Möglichkeiten der Altersvorsorge zu fokussieren. Je gestreuter die Altersvorsorge betrieben wird, desto eher lassen sich höhere Renditen erwirtschaften, da man von den verschiedenen Marktentwicklungen profitiert. Auf die Weise kann man auch gewiss sein, dass die persönliche Versorgungslücke auch ganzheitlich abgedeckt ist, ohne einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, dass man mit Eintritt des Rentenalters ins soziale Abseits gerät.

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